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Am 3. Juni besuchte eine Gruppe von Studierenden der Lehrveranstaltungen „Musikgeschichte 2“ und „Musikgeschichte 2 für Jazz und Popularmusiker im Rahmen einer Exkursion sowohl die Handschriften- als auch die Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Unter der Leitung von Dr. Martin Czernin konnten Evgenii Artemenkov, Maria Haslinger, Elias Kern, Paul Koch, Franziska Kocsis, Nina Maria Reichl, David Wörgötter und Vienna Yamanaka originale Musikhandschriften aus dem Mittelalter und der Zeit der Renaissance sehen, wie z.B. ein Chorbuch mit 7 Messen von Josquin Desprez (+ 1521) aus dem Besitz der Augsburger Familie Fugger oder den „Maximilian-Codex“ mit Messen mehrerer Komponisten der Renaissancezeit, den Kaiser Maximilian I. (1459-1519) für sich und seine zweite Gemahlin, Maria Bianca Sforza (1472-1510) schreiben ließ oder das berühmte Kuttenberger Cantionale, mit seinen prachtvollen Initialen und der in unterschiedlichen Farben ausgestalteten Notation. Dabei ging es vor allem um Fragen der Entwicklung der Notenschrift mit den Unterschieden und Grenzen der Notenzeichen in den einzelnen Epochen, aufführungspraktische Fragen in den unterschiedlichen Jahrhunderten in Verbindung mit den unterschiedlichen Größen der Notenzeichen und der Handschriften selbst, die unterschiedliche künstlerische Ausgestaltung von Musikhandschriften (je nach der Bedeutung des Auftraggebers oder Widmungsempfängers), den Unterschied zwischen Prachthandschrift und Gebrauchshandschrift sowie die Übertragung von Musik derartiger Quellen in moderne Notation und daraus resultierende Editionen.

 

Als besonderes Highlight konnten die Studierenden am Ende der Exkursion in der Musiksammlung noch 2 besondere Autographe sehen, die nur in Ausnahmefällen aus dem Tresor geholt werden: ein autographes Skizzenblatt der Orchestereinleitung zur „Vorstellung des Chaos“ aus dem Oratorium „Die Schöpfung“ (Hob. XXI:2) von Joseph Haydn sowie das Autograph des Männerchores „Am Bache“ (R 564a) von Franz Liszt. Auch hier ging es vor allem um die unterschiedliche Schreibweise der Notation in Verbindung mit der Verwendung der jeweiligen Musikquelle.

 

Ein besonderen Dank gilt dabei Herrn Dr. Andreas Fingernagel (Direktor der Handschriftensammlung) und Herrn Dr. Benedikt Lodes (Direktor der Musiksammlung), die gemeinsam mit Ihren Mitarbeiter*innen diese Exkursion organisatorisch unterstützt und ermöglicht haben.