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Am 9., 16. und 23. Juni 2021 besuchte eine Gruppe von Studierenden des Joseph Haydn Konservatoriums Eisenstadt im Rahmen der Lehrveranstaltung „Stilkunde und Aufführungspraxis“ unter der Leitung von Dr. Martin Czernin musikalische Originalschauplätze in Raiding, Eisenstadt sowie Mörbisch.

In Raiding setzte sich die Gruppe einerseits anhand der Ausstellungen im Geburtshaus des Komponisten und dem benachbarten Konzerthaus mit seinem Leben, andererseits aber auch mit den verschiedenen historischen und aktuellen Aufführungsmöglichkeiten von Musik Liszts in Raiding auseinander. Dabei lag ein besonderer Schwerpunkt auf den historischen Instrumenten des Franz Liszt-Vereines Raiding, die sich in den Schausammlungen und der neuen Franz Liszt-Bibliothek befinden: das Tafelklavier der Firma Broadwood, der neu renovierte Érard-Flügel, auf dem Franz Liszt selbst gespielt hat und die historische Orgel, die 1840 mit Unterstützung von Liszt für die Pfarrkirche Raiding angeschafft wurde und die nach einer umfassenden Renovierung durch den Franz Liszt-Verein Raiding inzwischen ebenfalls wieder spielbar ist. Bei dieser Gelegenheit bot die Bereitschaft eines Studierenden, auf dem Érard-Flügel ein paar Takte zu spielen, der Gruppe die Möglichkeit, den Klang dieses Instrumentes mit dem eines modernen Flügels zu vergleichen und sich direkt am historischen Instrument mit Fragen zur historischen Aufführungspraxis auseinanderzusetzen. Im Anschluß daran hatte die Gruppe auch noch die Gelegenheit den Konzertsaal des Liszt-Zentrums zu besuchen, in dem gerade eine Probe für die Uraufführung von „100 Skizzen für 2 Klaviere und Blechbläser“ von Eduard Kutrowatz stattfand, das dieser selbst gemeinsam mit seinem Bruder Johannes Kutrowatz und dem Bläserensemble „da Blechhauf’n“ auf der Bühne musizierte. Dank der hilfreichen organisatorischen Unterstützung der Produktionsleiterin des Liszt-Festivals, Dr. Dietlind Pichler, konnten die Studierenden während der Probe im Saal dabei sein und so neben den allgemeinen Informationen auch einen Eindruck von den klanglichen Qualitäten dieses wichtigen Konzertsaales im Burgenland bekommen.

Im Schloß Esterházy in Eisenstadt hatten die Studierenden die Gelegenheit im historischen Musikarchiv alte Notenmaterialien und die Probleme bei deren Bearbeitung kennen zu lernen. Dabei ging es vor allem um verschiedene Schreiberhände, Wasserzeichen, die unterschiedlichen Formen der Notenschlüssel, die Möglichkeiten der Zuordnung von fragmentenhaft oder anonym überlieferten Musikquellen sowie die Frage von deren Datierung. Besondere Aufmerksamkeit erregte die Präsentationspartitur der C-Dur-Messe von Ludwig van Beethoven, die dieser 1807 dem Auftraggeber der Messe, Fürst Nikolaus II. Esterházy, überreicht hatte. Im Anschluss daran führte Dr. Gottfried Holzschuh von der Esterházy Privatstiftung die Studierenden noch in den für seine klanglichen Qualitäten berühmten historischen Haydn-Saal und erläuterte dessen Geschichte.

Die letzte Exkursion führte zu den Seefestspielen Mörbisch, wo die Studierenden die Gelegenheit hatten, hinter die Kulissen der diesjährigen Produktion der „West Side Story“ zu blicken. Der Geschäftsführer der Seefestspiele, Dietmar Posteiner, erklärte im Rahmen seiner Führung sehr ausführlich das Entstehen der Festspiele, die verschiedenen akustischen und organisatorischen Probleme, die im Lauf der Jahrzehnte aufgetreten sind, die einzelnen technischen Verbesserungen (vor allem der Tonanlage) und ging auf viele Punkte der heutigen Aufführungspraxis derartiger Produktionen ein. Im Rahmen dieser Führung durften die Studierenden auch selbst die Bühne betreten und die noch im Aufbau befindlichen Kulissen aus der Nähe sehen. Abschließend erging noch die Einladung, sich bei Probespielen zu bewerben und bei einer der kommenden Produktionen im Chor oder Orchester dabei zu sein.

Herzlichen Dank allen Beteiligten an den einzelnen Orten, die diese Exkursionen möglich gemacht haben !